Eine Outplacement-Story über Zweifel, Verhandlungen und einen Neuanfang

Das Märchen vom goldenen Handschlag
Der schleichende Beginn
Regentropfen peitschen gegen die Windschutzscheibe deines Audis, als du auf den Parkplatz deiner Arbeitsstelle fährst.
Auch das noch, denkst du und suchst im Handschuhfach nach deinem Knirps. Irgendwo zwischen Kugelschreibern, alten Post-its und dem Bericht der letzten TÜV-Kontrolle sollte er eigentlich stecken. Aber natürlich ist der kleine Schirm nicht da, wo er sein sollte. Typisch.
Der perfekte Beginn eines unperfekten Arbeitstages.
Die dreißig Meter zum Eingang legst du im Sprint zurück, während du versuchst, deine Haare mit den Händen vor den herabstürzenden Tropfen zu schützen. Leider ohne Erfolg.
Irgendwas stimmt nicht
Triefend gehst du zu deinem Schreibtisch. Aber irgendwas ist heute anders. Die Luft ist dicker und du spürst die stechenden Blicke deiner Kollegen im Rücken. Hörst das leise Tuscheln, als du an ihnen vorübergehst. Und warum grüßen sie dich nicht? Seit Wochen verhalten sie sich dir gegenüber merkwürdig.
Du beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen und machst einen Termin bei deinem Chef.
Er wischt deine Bedenken mit einer lockeren Handbewegung einfach weg.
“Ach was, das bilden Sie sich nur ein. Kein Grund zur Sorge. Wirklich nicht.”
Alles nur Einbildung?
Zurück am Schreibtisch beobachtest du, wie das Unwetter draußen Fahrt aufnimmt. Münzgroße Tropfen klatschen gegen die Fensterscheibe. Ein dumpfes Gefühl macht sich in deinem Inneren breit, so als ob auch deine Karriere bald den Rinnstein hinab gespült wird.
Bildest du dir das wirklich alles nur ein?
Wann hat es angefangen, dass du nicht mehr an allen Meetings teilnimmst? Dass Memos nur noch verspätet oder gar nicht mehr bei dir ankommen? Dass andere die Projekte erhalten, die sonst bei dir gelandet sind. Und wie lange ist es her, seit man dich das letzte Mal um deine Meinung gebeten hat?
Zu lange.
Kein lauter Knall, sondern ein leises Gefühl
Die Entwicklung kam schleichend, die Zweifel auch. Doch langsam wird dir klar, dass es kein Zufall ist, sondern reine Strategie.
Plötzlich ergibt vieles einen Sinn. Doch du machst weiter wie bisher. Gibst dein Bestes, damit man dir nichts nachsagen kann.
Deine Vorgesetzten bitten dich zum Feedbackgespräch
Einige Tage später flattert am frühen Morgen eine Einladung zum Feedbackgespräch in dein E-Mail-Postfach. Und zwar noch am gleichen Tag. Du hast keine Zeit dich vorzubereiten.
Draußen ziehen erneut dunkle Wolken auf. Du ahnst Böses und wirst nicht enttäuscht.
Mit ernsten Gesichtern sitzen sie dir gegenüber. Sie sagen zwar: Keine Sorge, aber ihre Blicke sprechen eine andere Sprache.
Sie fragen, ob du dich in der Firma überhaupt noch wohl fühlst, da sie bemerkt haben, dass deine Leistungen nachgelassen haben. Angeblich haben es deine Kollegen auch schon bemerkt. Sie sind sich nicht sicher, ob du noch genug Energie für diesen Job hast.
Der Sturm von draußen hat es ins Büro geschafft, die Stimmung sinkt auf den Gefrierpunkt, die Unterhaltung wird unangenehm.
Alles deine Schuld?
Das Gespräch ist vorbei. Und selten hast du dich so leer, hilflos und ausgemustert gefühlt. Du fragst dich: Ist das wirklich alles meine Schuld? Aber ich habe doch genau so gewissenhaft gearbeitet wie immer. Wenn andere es auch schon bemerkt haben, muss aber ja was dran sein, oder? Fühle ich mich denn wirklich noch wohl? Will ich das alles noch?
Haben sie recht?
Eine faire Lösung
Ein paar Wochen, in denen es sehr ruhig um dich geworden ist, sind vergangen. Den ersten Schock hast du zwar verdaut, aber Angst und Unsicherheit sind gewachsen. Im Büro bewegst du dich wie auf rohen Eiern und versuchst, keine allzu große Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen. Doch vergebens.
Sie rufen dich erneut ins Büro. Sie haben sich Gedanken gemacht. Mist.
Diesmal sind ihre Mienen selbstsicher. Sie präsentieren dir ihre Überlegenheit zusammen mit einem Aufhebungsvertrag. Eine gemeinsame Zukunft sehen sie nicht mehr.
Aber man will sich ja im Guten trennen. Und deshalb haben sie eine sehr faire Lösung für dich ausgearbeitet, die du am besten direkt unterschreiben solltest.
Sie geben dir kaum Zeit, den Vertrag durchzulesen, erhöhen sogar den Druck. Denn ein lukrativeres Angebot bekommst du schließlich nicht.
Du sollst unterschreiben frei nach dem Motto: Friss oder stirb.
Aber dir wird klar, das ist keine Option für dich.
Die Erkenntnis
Erst jetzt fällt es dir wie Schuppen von den Augen. Du beginnst zu verstehen, dass die Entwicklungen der letzten Monate möglicherweise kein Zufall waren.
Wie konntest du so blind sein?
Wie konntest du an dir zweifeln?
Du hast nichts falsch gemacht.
Aber sie wissen, wer unsicher ist, verhandelt schlechter.
Das Angebot mag fair erscheinen, aber nicht für dich.
Diesmal vertraust du deinem Gefühl und unterschreibst nicht direkt.
Sagst stattdessen, dass du dir Zeit nimmst, um das Angebot auf Herz und Nieren zu prüfen. Im selben Moment, als du die Blätter vom Tisch ziehst, wischst du auch das selbstsichere Lächeln aus ihren Gesichtern.
Es gibt mehr
Allen Unsicherheiten und Zweifeln zum Trotz hast du dir Zeit genommen, deine Möglichkeiten zu prüfen. Ein kluger Schachzug, denn bei deinen Recherchen hast du festgestellt, dass es durchaus noch mehr gibt als Friss oder stirb.
Die Lösung heißt Outplacement. Eine faire Lösung und zwar für beide Seiten.
Davon haben sie dir natürlich nichts erzählt. Vielleicht wussten sie es selbst nicht?
Doch nach allem, was vorgefallen ist, geht es dir nicht nur um Geld, eine Freistellung oder ein gutes Zeugnis. Das ist das Bare Minimum.
Dir geht es vielmehr darum, wieder Klarheit zu gewinnen. Über deine Fähigkeiten, deine Wünsche, deine weiteren Schritte.
Was du jetzt brauchst ist Orientierung, jemanden, der dich dabei unterstützt, wieder in deine alte Stärke zu kommen.
Die Verhandlung
Sie haben dir zwar das Gefühl gegeben, dass du keine Wahl hast, doch mittlerweile weißt du, dass du verhandeln kannst. Und genau das machst du.
Du verhandelst.
Du forderst Unterstützung ein.
Du gestaltest deinen Übergang aktiv.
Endlich hast du wieder Einfluss auf das, was als Nächstes passiert.
Nach Regen kommt Sonnenschein
Du stehst wieder da, wo diese Geschichte ihren Anfang nahm. Auf dem Parkplatz deiner, jetzt ehemaligen, Arbeitsstelle. Du hast den letzten Tag erfolgreich hinter dich gebracht. Hast dich im Guten getrennt. Es gab Kuchen und ein paar nette Gespräche. Ganz anders als die Monate vorher.
Fast so, als wäre nichts passiert. Zum Abschied gab es sogar noch einen Blumenstrauß von der Geschäftsleitung. Locker hältst du ihn im Arm, damit keine Blüte abbricht. Ein süßer Duft kitzelt deine Nase. Fast schon zu kitschig.
Du schaust hinauf in den Himmel und hinter einer Wolke taucht plötzlich die Sonne auf und wärmt dein noch leicht erhitztes Gesicht.
Du weißt jetzt, dass du alles richtig gemacht hast. Letztendlich war der Vorschlag eines Outplacements für alle die richtige Entscheidung.
Der Aufhebungsvertrag war nicht das Ende deiner Geschichte, sondern der Beginn eines neuen Kapitels.